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Die Kinder wachsen heute in einer reizüberfluteten
Umwelt auf. Sie sind vermehrt Opfer der Konsumgesellschaft
und werden in ihrem natürlichen Bewegungsdrang
eingeengt, wodurch vielfach Aggressionen aufgebaut werden
können. Sie wissen wohl, wie man einen Fernseher,
Videorecorder und einen Computer "bedienen"
kann, jedoch sehr wenig von den Abläufen in unserer
Natur.
Sie bekommen überwiegend "Vorgefertigtes"
und werden in ihrer Kreativität unterdrückt.
Die Kinder sitzen viel auf Stühlen und bewegen
sich sehr viel weniger als noch vor einigen Jahren.
Dadurch kommt es schon bei den Kleinsten vermehrt zu
Haltungsschäden. Unsere Kinder werden jeden Tag
für Stunden mit akustischen und visuellen Reizen
überschüttet.
Gestresste Kinder sind keine Seltenheit. Die Anfälligkeit
für Infektionskrankheiten, Allergien, Haltungsschäden
usw. ist vermehrt vorhanden.
Durch die Waldkindergruppe möchten wir Kindern,
Eltern und Mitarbeiter/innen die Möglichkeit geben,
sich wieder auf die natürlichen und elementaren
Dinge des Lebens zu konzentrieren.
Die Natur und die Umgebung des Waldes sind dazu die
denkbar besten Voraussetzungen. Um eine gute Basis für
die pädagogische Arbeit zu schaffen, ist ein vertrauensvolles,
offenes Verhältnis zwischen Eltern und Erzieher/innen
sehr wichtig.
Den Erzieher/innen obliegt die Verantwortung für
den gruppenpädagogischen und individuellen Umgang
mit unseren Kindern sowie die Gestaltung der Gruppenarbeit.
Beides muss in beratender Kooperation aller Beteiligten
miteinander in Einklang gebracht werden.
Eine regelmäßige, sorgfältige Beobachtung
der Kinder muss gewährleistet sein, um die Entwicklungsphasen
der einzelnen Kinder zu unterstützen. Diese Beobachtungen
ermöglichen es uns, situationsorientiert zu arbeiten
und den Kindern entsprechendes Material und Anregungen
zur Verfügung zu stellen.
Der Entwicklungsstand der Kinder wird in regelmäßigen
Abständen zwischen Erzieherinnen und Eltern thematisiert.
Jeden Tag in den Wald
Jeder Tag in unserem Waldkindergarten bedeutet frühmorgens
zunächst einmal Abschied nehmen von Geliebtem -
aber auch Begrüßen von Vertrautem.
Die Kinder wissen, wer und was sie erwartet und wer
sie begrüßt.
Ein Tag hat begonnen. Ein wichtiges Element, das zur
Sicherheit und Geborgenheit führt, ist die Regelmäßigkeit,
die immer wiederkehrenden Rhythmen und Rituale.
Diese Regelmäßigkeiten zeigen sich pro Tag
z. B. in der Morgenrunde, dem gemeinsamen Frühstück,
der Abschlussrunde, pro Woche und im ganzen Jahresablauf
(z. B. Feste verschiedener Art).
Der rhythmische Tagesablauf ist geprägt vom Zeitlassen.
Ein Kind muss eigene Erfahrungen sammeln, es erfährt
die Welt in eigenem Rhythmus, es arbeitet nach eigenen
Gesetzen. Daher ist Kraft- und Zeitaufwand stets individuell.
Wir sollten uns deshalb bemühen, so oft wie möglich
die Welt aus der Kinderperspektive zu sehen und den
Kindern helfen, die Dinge, die sie früher oder
später tun müssen, selbst zu tun. Durch die
Kontinuität im Zusammensein lernen sich Erzieher/innen
und Kind individuell kennen.
Durch das daraus erworbene Vertrauen kann das Kind
bald auch intensiven Kontakt zu der gesamten Kindergruppe
aufbauen. Ältere Kinder geben den kleineren in
der Gruppe Zuwendung und ein Gefühl der Sicherheit
und übernehmen Vorbildfunktion.
Im Beisein vertrauter Spielgefährten fällt
es den Kindern leichter, unbekannte Dinge in der Natur
zu erkunden. Der Kontakt zu Kindern unterschiedlicher
Altersstufen ermöglicht dem kleinen Kind wichtige
soziale Erfahrungen zumachen:
Es erfährt Hilfe und Trost, es kann selbst vielleicht
schon helfen; lernt aber auch, kleinere Enttäuschungen
zu ertragen.
Erfahrungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für
Kinder im Wald
1. Strukturierendes Element der Arbeit in unserem Waldkindergarten
ist der jahreszeitliche Rhythmus. Die Abläufe im
jahreszeitlichen Naturkreislauf werden unmittelbar erlebt.
2. Die Kinder können sich spontan und frei im
Wald bewegen. Sie erleben dadurch Fähigkeiten und
Grenzen ihrer Körperlichkeit. Die Natur bietet
eine Vielfalt an Bewegungsanlässen und -möglichkeiten.
Die gesamte Fein- und Grobmotorik wird auf ganz natürliche
Weise gefördert.
3. Alle fünf Sinne des Kindes - Fühlen, Hören,
Riechen, Schmecken und Sehen - werden in einer Differenziertheit
angesprochen, die der Vielfalt der natürlichen
Umgebung entspricht.
Diese Differenziertheit findet ihre Entsprechung in
einer ebenso differenzierten und zahlreichen Verknüpfung
der Nervenbahnen im Gehirn, wodurch die Intelligenz
des Kindes auf breitester Basis angeregt und gefördert
wird.
Das Kind lernt vorwiegend über das eigenständige
Tun, Erproben, Erfinden und Erleben. Das Kind begreift
anhand der natürlichen Gesetze schneller logische
Zusammenhänge. Die Natur bietet dem Kind ein differenziertes
Lernen ohne Reizüberflutung an.
4. Die Förderung im psychomotorischen Bereich
findet unter idealen Bedingungen statt, da Räume
für ganzkörperliches, intensives Handeln das
Kind umgeben.
5. Das "Verweilen können" bei einer
Tätigkeit, bei einer Beobachtung entsprechend dem
individuellen Bedürfnis des Kindes, schafft intensive
Erfahrungs-, Erinnerungs- und Identifizierungswerte.
Die Konzentrationsfähigkeit, Geduld und Ausdauer
werden erhöht.
6. Die dem Kind innewohnenden Phantasiekräfte
können sich frei entfalten. Die jedem Kind ganz
eigene Kreativität wird gefördert.
7. Zur ganzheitlichen Erziehung in der Waldkindergruppe
gehören selbstverständlich die Bereiche der
rhythmisch - musikalischen Erziehung und der Vermittlung
von Kulturgut (Märchen etc.).
Die künstlerisch - ästhetische Förderung
greift vorwiegend auf Materialien aus der Natur zurück.
8. Stille wird erfahrbar. Eine Sensibilisierung für
das gesprochene Wort und die Stimmen der Natur wird
ermöglicht.
9. Feuer, Wasser, Luft, und Erde gehören zu den
existentiellen Lebensgrundlagen des Menschen. Das Erleben
und der Umgang mit diesen Elementen und den Naturerscheinungen,
wie Hagel, Schnee, Regen und Nebel, bereichern das Kind
in seiner Gesamtpersönlichkeit.
Das Bewusstsein für die Natur wird geschärft.
10. Jedes Mitglied der Gruppe ist im besonderen Maße
als Helfer und Wissensvermittler gefordert. Auf der
Basis eines "echten Aufeinanderangewiesenseins"
wird die soziale Kompetenz der Gruppe und des einzelnen
gestärkt.
Das Kind lernt Verantwortung zu übernehmen - für
sich und für die Natur.
11. Kinder mit Behinderungen sollen - der Eigenart
ihrer Behinderung entsprechend - in der Waldkindergruppe
aufgenommen werden.
Ihre Integration ist eine Bereicherung für die
Gesamtgruppe und deshalb unbedingt anzustreben.
12. Verhaltensauffällige Kinder haben die Chance,
aufgrund neuer Erfahrungen und Erlebnisqualitäten
neue Verhaltensmuster aufzubauen.
13. Die Bewegung in der frischen Luft bei jeder Witterung
fördert die Gesundheit und stärkt das Immunsystem.
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